Sonntag, 22. April 2018

Kriegen sie sich oder kriegen sie sich nicht?

Ein Cover so blumig wie der gerade ausgebrochenen Frühling, der Inhalt kann allerdings nur mäßig überzeugen. Naja, in der Kategorie Jugendbuch, da darf man vielleicht auch nur bedingt Tiefgang erwarten.

Achtung: Da dies der zweite Teil einer Reihe ist, kann diese Rezi Spoiler hinsichtlich des ersten Teils enthalten.

Lina ist nun seit fast drei Jahren zurück in der Schöpferwelt - der Realität. Doch hier fühlt sie sich längst nicht mehr zu Hause, denn das ist nun Menduria - und Darian. Verzweifelt sehnt sie sich zurück und hofft, einen Weg zu finden. Und tadah: Eines Tages taucht aus dem Nichts Drogonn auf, der sie erneut mitnimmt, denn schließlich ist Lina ganz Wichtig für das Schicksal Mendurias. Dort angekommen hat sie natürlich nur eines im Sinn: Zurück zu Darian zu gelangen. Auch wenn der sich nicht an sie erinnert, immerhin lernt er sie erst in der Zukunft lieben und Lina ist sozusagen in die Vergangenheit zurückgekehrt.

Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Generell wird fortlaufend alles so schön und ausführlich erklärt, dass auch der unaufmerksame Leser nur ja nichts verpasst. Und so beginnt der altbekannte Tanz des „Kriegen sie sich oder nicht“, wird das alte Märchen der unendlichen Liebe und des Glücklich-bis-an-ihr-Lebensende einmal mehr neu erzählt. Das ist zuweilen sehr ermüdend, insbesondere wenn man die Figuren bei ihren ungeschickten Flirtversuchen beobachtet, innerlich zerrissen von Selbstzweifeln und der Auffassung, dass der andere niemals sie selbst lieben könnte ... Obwohl wir genau das ja bereits aus dem ersten Teil wissen. Nun gut, es wird also gelitten, gekämpft und gerettet, gehofft und geliebt. Einzig die Handlungskonstruktion im Hintergrund ist interessant und lässt erkennen, dass sich da jemand Gedanken gemacht hat. So ist das Schicksal von Lina und Darian eng mit dem Mendurias verbunden. Und auch wenn sie versuchen, dem zu entgehen und es gar selbst zu bestimmen, müssen sie letztlich feststellen, dass sie von fremden Mächten gesteuert genau dahin laufen, wo sie hinsollen.

Fazit: Nette Fortsetzung, die in meinen Augen zu sehr den Fokus auf den Balztanz zwischen Lina und Darian legt. Menduria, also die phantastische Welt an sich, gewinnt dafür in diesem Band neue Facetten hinzu und kann durchaus überzeugen. Es bleibt auch bei der Fortsetzung bei drei Sternen, weil der Anspruch insgesamt einfach zu flach ist.

Hard facts:
Ueberreuter Verlag
ISBN: 9783764170
432 Seiten


Frau Schafski

Sonntag, 15. April 2018

Verpufft in Bedeutungslosigkeit

Ein einsamer, stürmisch, kalter Ort. Ein verlassenes Haus, das von einer Frau im mittleren Alter „gehütet“ wird. Evie ist die Ich-Erzählerin des Romans, der uns mit ins Jahr 1969 nimmt, die Zeit der Blumenkinder und freien Liebe. In diesem Sommer lernt Evie Suzanne kennen, die zusammen mit mehreren anderen Mädchen in eine „Kommune“ lebt und die alle demselben Mann folgen: Russell. Folgen umfasst dabei, ja ihr habt richtig vermutet, auch sexuelle Hörigkeit. Evie verfällt mit Begeisterung dieser neuen Idee des Zusammenlebens, auch wenn sie gerade einmal 14 Jahre alt ist, und gelangt in einen Sog aus Zusammenhalt, Abhängigkeit, Willenlosigkeit.

Nun wäre es an der Zeit, Großes oder Kleines von diesem Buch zu berichten, Charaktere, Inhalt und Spannungsaufbau zu bewerten, das Problem ist nur: Der Roman war für meinen Geschmack insgesamt so farblos, dass er völlig nichtssagend in meinem Gedächtnis verpufft. Schon jetzt, nur zwei Tage nach der Lektüre, habe ich Schwierigkeiten, mich an konkrete Handlungsmuster und Charaktere zu erinnern, geschweige denn eine sinnvolle Einschätzung zusammenzubekommen. Dabei ist der Roman im Großen und Ganzen nicht schlecht, die Lektüre tut nicht weh, aber wie gesagt, es bleibt davon irgendwie nichts übrig. Einzig die Sprache hat mich zu Beginn irritiert, weil sie gespickt ist mit düsteren und zugleich eintönigen Metaphern. Bis mir klar wurde, dass sie Ausdruck der mittlerweile einsamen und fast schon verbitterten Evie sind.

Fazit: Drei Sterne kann man mit etwas gutem Willen vergeben für einen Roman, der am Ende genauso wie die Mädchen verschwindet, ohne großen Eindruck zu hinterlassen.

Hard facts:
Emma Cline
The Girls
Hanser Verlag
ISBN: 9783446252684 
352 Seiten


Frau Schafski

Montag, 9. April 2018

Wer durchhält, entdeckt eine faszinierende Welt


Selten hat mich ein Buch so zwiegespalten, was die Bewertung angeht. Mehrfach war ich kurz davor aufzugeben und bin nun doch froh, dass ich es nicht getan habe. Zu sehr hat mich letztlich diese fremdartige Welt in den Bann gezogen.

Zwei Faktoren haben mir jedoch die Lektüre sehr erschwert:
  1. Es ist sehr deutlich spürbar, dass die Autorin noch jung und unerfahren ist (der Roman ist ihr Debüt). Sie hat sich hier einen wirklich faszinierenden Kosmos ausgedacht, das Problem ist nur: Er ist unendlich erklärungsbedürftig. Und das gelingt ihr leider überhaupt nicht gut. Ich habe ungelogen Hunderte Seiten gebraucht, bis ich einigermaßen den Durchblick hatte. Davor schwebte die ganze Zeit ein rot blinkendes Fragezeichen über meinem Kopf, weil ich immer wieder den Faden in all den Erklärungen und Begrifflichkeiten verlor. Erst nach etwa der Hälfte des Buches wurde es langsam besser. Aber bis dahin musste ich wirklich eisernes Durchhaltevermögen beweisen.
  2. Die Hauptprotagonistin Paige: Boah, ist mir die Alte zwischenzeitlich auf den Sack gegangen, um es etwas salopper auszudrücken. Über lange, lange Strecken hatte ich den Eindruck, einen pubertierenden, sturen Teenager vor mir zu haben, dem jegliches vernünftiges Denken abhanden gekommen ist. Mehr als einmal wollte ich sie anschreien und ihr Ætherverbot (kleiner Insoderjoke) erteilen. Sperrige Charaktere sind an sich nicht das Problem, aber wenn sie teilweise völlig gegen den eigenen Lebenserhaltungstrieb handeln, bleibt bei mir nur ein unverständiges Kopfschütteln übrig.
Nun mag man sich fragen, warum ich dann doch drei Sterne vergebe und fast sogar versucht war, vier daraus zu machen. Ganz einfach: Irgendwann hat mich diese Welt so fasziniert, so in ihren Bann gezogen, dass ich nicht mehr aufhören konnte und es letztlich auch nicht mehr wollte. Was die Hauptfigur Paige angeht, kann ich nur sagen, dass trotzige Wasser dennoch tief sein können - und sich mit etwas Glück weiterentwickeln ...

Fazit: Das Durchhalten lohnt sich! Denn trotz der vielen Schwächen, die m.E. in der Unerfahrenheit der Autorin liegen, ist das toller Lesestoff.

Hard facts (Taschenbuchausgabe):
Verlag : Berlin Verlag
ISBN: 9783833309328
624 Seiten

Übrigens: Die Reihe soll langfristig auf sieben Bände angelegt sein, bisher sind allerdings erst zwei erschienen.


Frau Schafski

Sonntag, 25. März 2018

Das, was Du siehst, ist nicht real

Vor Kurzem hatte ich gleich doppelt Glück. Nicht nur, dass ich die abgefahrene Dystopie von Tom Hillenbrand als Leseexemplar gewonnen habe, darüber hinaus konnte ich den Autor in der vergangenen Woche bei einer Lesung im Rahmen der Literaturtage "Koblenz ganzOhr" live erleben und mein Buch auch gleich signieren lassen. Schon spannend, wie sehr so eine Lesung den Blick auf Werk und Autor beeinflussen kann. Für mich war das eine lohnenswerte Vier-Sterne-Leseerfahrung.

Die Hologrammatica ist die vorherrschende Realität im Jahre 2088. Ein System aus sogenannten Holonets verkleidet alles, was den Ansprüchen nicht genügt, indem eine durch Holografie vorgegaukelte Hülle darüber gelegt wird. Damit werden Städte, Menschen, Wohnungen, Kleidung, Natur zu einer glattpolierten Täuschung. Hinzu kommt, dass die Menschheit es geschafft hat, ihre Gehirne zu digitalisieren und so speicherbar zu machen. Nun können die sogenannten Cogits in jedes beliebige Gefäß, so der Name der alternativen Körper, hochgeladen werden. Für ein paar Tage, einundzwanzig um genau zu sein, kann also jeder, der ausreichend Geld hat, denn Reichtum verliert auch in der nahen Zukunft nicht an Macht, jeder sein, der er sein will. Danach droht der Braincrash, wenn das Cogit nicht wieder in den Stammkörper zurücktransferiert wird.

Diese beiden großen Neuerungen sind nur die Spitze des Eisbergs der von Tom Hillenbrand so detailliert durchdachten Zukunft. Sie reichen als Beschreibung aus, um zu erahnen, welch unendlichen Möglichkeiten, aber auch Probleme sich daraus ergeben. Hillenbrands Welt besticht durch das sorgsam komponierte Funktionssystem insgesamt, das sie authentisch und nah an unserer Realität erscheinen lässt. Fast wie nebenbei stellen sich große Fragen nach Schein und Sein sowie dem „göttlichen“, das Körper und Seele zusammenhält. Antworten muss der Leser freilich selbst finden, hier gibt es lediglich Denkansätze, die aber zum fröhlichen philosophieren einladen. Verpackt ist das Ganze übrigens in einen Kriminalfall, denn der Protagonist Galahad Singh ist ein sogenannte Quästor, die moderne Form des Privatdetektivs, der natürlich auf der Suche nach einer verschwundenen Person ist. So ist die gesamte Handlung in eine nicht unspannende Schnitzeljagt eingebunden, die den Leser bei der Stange hält. Und das Ende verspricht schließlich noch ein paar dicke Überraschungen.

Fazit: Zum Schluss weiß man nicht mehr so genau, was real ist und was nicht. Aber das Ende ist für eine Dystopie dennoch eher versöhnlich und birgt die Hoffnung, dass die Menschheit verschiedene Probleme in den Griff bekommen kann. Prinzipiell ist Tom Hillenbrand eine sehr überzeugende Dystopie gelungen, bei der ich dennoch immer eine gewisse Distanzhaltung bewahrt habe, sodass es nicht ganz für fünf Sterne gereicht hat. Dennoch sehr lesenswert!

Hard facts:
ISBN: 978-3-462-05149-0
Seiten: 560

Frau Schafski

Back once more

Das Privatleben kann eine echte Bitch sein und einen schnell mal völlig aus dem Konzept bringen. Mit der Außenwelt zu kommunizieren entspricht dann nur bedingt den inneren Bedürfnissen. Und so ist der Blog für eine ganze Weile verstummt. Mit dem Lesen habe ich natürlich nicht aufgehört. Da muss schon mehr passieren, damit ich mein seit Kindesbeinen so heiß geliebtes Hobby aufgebe. Mein Stapel ungelesener Bücher (SuB) ist zwischenzeitlich auf über 100 Exemplare angewachsen, da, wo andere sich Schuhe oder Klamotten kaufen, belohne ich mich mit Lesestoff. Okay, ich gebe zu, dass es vielleicht etwas ausgeartet ist im letzten Jahr. Denn mittlerweile umfassen diese Bücher ein halbes Regal. So viel spannender Lesestoff hat sich darin angesammelt, dass es uns hier hoffentlich nicht langweilig werden wird. Also lehnt euch entspannt zurück, schnappt euch einen Keks und freut euch mit mir auf die Dinge, die da noch kommen werden.

Herzlich willkommen zurück: Bookshelfheroes is back


Frau Schafski

Sonntag, 21. August 2016

Wunderbar poetischer Roman über Freuden und Leiden der Liebe

Auch wenn der Sommer sich dem Ende neigt, gibt es von mir noch eine kleine, aber wunderbar poetische Sommerlektüreempfehlung: Grégoire Delacourt "Die vier Jahreszeiten des Sommers". Diesen kleinen Schatz habe ich im Rahmen einer Vorab-Leserunde des Atlantik Verlags bekommen.

„Wir liebten uns zwischen den Worten, zwischen den Zeilen, im Schweigen und in den Blicken, in den einfachsten Gesten. [...] Wir liebten uns in jedem Augenblick, ohne zu versuchen, ihn zu verlängern, ohne etwas anderes von ihm zu erwarten, als genau diesen Moment der Ewigkeit.“ (S. 152) 

Das ist nur eine der vielen kostbaren Stellen, die der Roman dem Leser anbietet. Ein Buch, in dem man sich stundenlang genüsslich den poetischen Bildern und Gedanken hingeben kann.

Im Zentrum steht ein Tag, ein Strand, an dem alle Figuren sich unwissentlich zur selben Zeit aufhalten. Vier Paare, vier unterschiedliche Lieben, vier Geschichten, um die sich aber noch viele weitere kleinere Erzählungen ranken. Delacourt vermag es ganz außergewöhnlich, sich in seine Figuren, insbesondere auch die seiner Protagonistinnen, hineinzuversetzen. Jede einzige Emotion ist nachvollziehbar und berührt. Die Sprache des Autors ist wunderbar poetisch mit melancholischen Zügen und einer starken, opulenten Bildsprache. Wer Metaphern liebt, wird mit diesem Buch seine wahre Freude haben. Es ist auch spannend zu beobachten, wie die einzelnen Figuren sich durch unscheinbare Zufälle begegnen, manche nur für Sekunden, andere für ein Gespräch oder sogar eine andauernde Verbindung. Zum Ende hin schließt sich der Kreis und es zeigt sich, was aus all den vielen „Jahreszeiten der Liebe“ geworden ist.

Delacourt lässt den Leser an vielen unterschiedlichen Formen der Liebe teilhaben, die nicht nur unbeschwert, sondern immer auch mit Schmerz verbunden sind, und zeichnet dadurch ein sehr realistisches Bild des großen Gefühls. Das macht das Buch zu einem echten Kleinod. Wer große Gefühle mit literarischem Anspruch mag, sollte sich die Zeit und Muße nehmen „Die vier Jahreszeiten des Sommers“ zu lesen.

Hard Facts:
Atlantik Verlag
ISBN: 9783455600414
192 Seiten


Frau Schafski

Donnerstag, 28. Juli 2016

Gewonnen! Die LovelyBox ist eingezogen

Wow, was habe ich mich gefreut, als ich am Montag eine E-Mail bekam, dass ich zu den glücklichen Gewinnern der LovelyBox gehöre! Und gestern klingelte dann auch schon der Postbote und brachte mir ein großes Packet ^_^

Hach, war das aufregend, es auf zu machen. Und der Inhalt verspricht absolut spannende Unterhaltung für die noch vor mir liegenden Urlaubswochen: 
Mit dem ersten Buch habe ich dann auch gestern direkt losgelegt.

Vielen Dank liebes Lovelybook-Team für diese tolle Überraschung!



Frau Schafski