Sonntag, 29. Mai 2016

Der schöne Schein trügt

Es klingt vielversprechend: Eine junge, emanzipierte Frau versucht im Kunsthandel Fuß zu fassen und ist dabei ganz auf ihre Karriere bedacht. Per Zufall entdeckt sie, dass es bei einem geplanten Handel scheinbar nicht mit richtigen Dingen zugeht und scheint einem Kunstbetrug auf der Spur zu sein. Da erwartet der Leser doch glatt einen spannenden Kriminalroman im Kunstmilieu mit einer gewitzten Protagonistin, die nach und nach ein Verbrechen aufdeckt - er bekommt allerdings etwas ganz anderes.

Was als emanzipierte Aschenputtel-Geschichte beginnt, entpuppt sich schnell als eine schier endlose Aneinanderreihung von Markennamen sowie Beschreibungen des Lebens der High Society mit ein bisschen Krimi gewürzt. Dies wäre nicht verwerflich, wenn auf Dauer dieses Leben nicht als einzig erstrebenswertes Gut erscheinen würde. Alles läuft auf das Erlangen von Macht und Reichtum hinaus. Auch dies wäre vielleicht nicht verwerflich, wenn dieser Umstand zwischenzeitlich auch einmal infrage gestellt würde. Darüber hinaus hat die Autorin ihre Protagonistin Judith so unnahbar und undurchschaubar geschaffen, dass ihr jegliche Tiefe fehlt - fehlen muss. Der Leser bleibt dabei zu nahezu jeder Zeit außen vor, Judith erscheint bis zum Schluss als Charakter völlig verschlossen, weswegen ihre Beweggründe nicht nachvollziehbar sind und letztlich ein sehr oberflächlicher Eindruck bleibt, der sich vor allem auf ihre (Sehn-)Sucht nach Reichtum und Macht stützt.

Wer noch auf ein fulminantes Finale mit überraschenden Wendungen hofft, der hofft vergebens. Es bleibt eine wenig überzeugende Mischung aus Sex and Crime, die mit allzu reißerischen Elementen schockieren will, beim Leser jedoch lediglich Abscheu und Unverständnis hinterlässt.

Hard Facts:
L.S. Hilton
ISBN: 9783492060516
384 Seiten

Frau Schafski

Dienstag, 24. Mai 2016

Bücherpost

Toll, perfekt zum nahenden Feiertag ist mein nächstes Leseexemplar angekommen: "Die Frauen vom Meer" von Deniz Selek. Diese Mal begebe ich mich auf eine Generationenreise mit drei Frauen zwischen der Türkei und Deutschland. Ich erhoffe mir eine besonders interessante Leserunde, weil die Autorin ebenfalls daran teilnehmen wird. Sie ist selbst in Hannover geboren, verbrachte aber ihre Kindheit in Istanbul. Mittlerweile lebt sie mit ihrer Familie in Berlin. Auf der Website der Autorin gibt es passend zum Roman ein paar tolle Fotos und weitere Infos. Danke auch an den Droemer Knaur Verlag für das Leseexemplar.



Frau Schafski

Montag, 23. Mai 2016

Leserunde? Was 'n das?

Bis vor einer Weile hatte ich selbst noch keinen Plan, was eine Leserunde oder gar Social Reading ist. Prinzipiell ist das aber eigentlich ganz einfach erklärt: Eine Social-Reading-Plattform wie beispielsweise Lovelybooks (meines Wissens Deutschlands bekannteste Plattform dieser Art) ermöglicht es ihren Mitgliedern, gemeinsam auf die unterschiedlichsten Arten ihrem Hobby zu frönen: dem Lesen. So weit so unspektakulär. Was das Ganze aber so richtig spannend macht, ist die Tatsache, dass Lovelybooks mit vielen Verlagen und Autoren zusammenarbeitet. Somit bietet sich den Verlagen und Autoren eine Möglichkeit, vorab Rezensenten für ihre Neuerscheinungen zu finden, und Lesern, Bücher kurz vor oder nach ihrem Erscheinen zu lesen und zu rezensieren. 
Immer noch nicht spannend und klingt zu sehr nach Werbung und Leserkauf? Auf den ersten Blick mag das der sich aufdrängende Gedanke sein, aber immerhin bekommt der Leser auch etwas dafür: Rezensionsexemplare. Und mit so einem Buch ist in der Regel automatisch auch eine Leserunde verbunden, in der sich mit den anderen Rezensenten ausgetauscht wird. Darüber hinaus gibt es je nachdem auch noch zusätzliche Fragen zu beantworten oder Aufgaben zu erfüllen. Alles, was den Spieltrieb fördert, funktioniert. So richtig spannend wird es schließlich, wenn auch die Autorin oder der Autor an der Runde teilnimmt. Es sind nämlich nicht selten noch eher unbekannte Schreiberlinge, die auf diesem Weg ein direktes Feedback ihres potenziellen Publikums erhalten. 
Und wem das an Spaß immer noch nicht reicht, der kann immerhin von Zeit zu Zeit zusätzlich Büchergutscheine und sonstige Goodies für besonders fleißiges Social Reading erhalten.

Ich kann aus meiner Sicht nur sagen: Ein ganz neues Leseerlebnis. Ich folge der Handlung und den Protagonisten viel bewusster, habe ein peinliches Nerd-Notizbuch, um nur ja keinen Leseeindruck zu vergessen, jage nach maßgeblichen Zitaten, mache mir viel mehr Gedanken über zusammenhängende Spannungsbögen, überzeugende Charaktere, literarisches Können und sowieso über den Zusammenhang des gesamten Universums ^_~
Dass das nicht jedermanns Sache ist, kann ich mir vorstellen. Aber für einen bibliophilen Narren wie mich, gibt es fast nichts Besseres, um sein Hobby auf ein neues Level zu heben - außer vielleicht als Krönung noch dieser Blog ...

Frau Schafski

Freitag, 20. Mai 2016

Die Sache mit den Affen

Mein erstes Leseexemplar und auch meine erste Leserunde. Ich kann nur sagen: Wow, das ist eine ganz andere, neue Leseerfahrung, die mir sehr viel Spaß gemacht hat. Aber dazu in einem anderen Beitrag mehr, dieser hier ist für die Rezension gedacht:

Stockholm, drei Protagonisten, drei Erzählperspektiven. Der Einstieg fällt extrem leicht: Kurze, verständliche Sätze, schnelle Szenenwechsel, alltagstaugliche Sprache. So rasant, wie der Einstieg gelingt, bleibt das Tempo leider nicht. Der Schreibstil erlaubt zwar einen ungestörten, schnellen Lesefluss, aber der Handlung fehlt ein nachvollziehbarer stringenter Spannungsbogen.

Die Figurenkonstellation erscheint bedauerlicherweise zu stereotyp und orientiert sich größtenteils an gängigen, insbesondere durch Film und Fernsehen beeinflussten Mustern: Der kleine Gauner, gefangen im Zwiespalt zwischen dem eigenen Schein und Sein, hinter dem der Leser aber ein gutes Herz vermutet; der korrupte, frauenfeindliche, rassistische Macho-Polizist, der von Beginn an als der eigentliche "Feind" ins Feld geführt wird; und schließlich die toughe, unerschrockene Polizistin, die mit voller Überzeugung ihren Job ausübt, aber durch den Verlust ihrer Schwester nun auf ihrem persönlichen Rachefeldzug jegliche moralisch vertretbare Grenze zu übertreten bereit ist. Das ist wenig überraschend, garantiert aber unangestrengte Unterhaltung.

Am Ende bleibt vor allem die Frage nach der Moral der Stockholmer Polizei. Es macht ein wenig den Anschein, dass der Roman fast wie eine persönliche Abrechnung der Autorin mit ihrem ehemaligen Arbeitsumfeld daher kommt. Korruption, frauenfeindliches Verhalten, sexuelle Belästigung, allzeit berechnendes Verhalten, Mobbing und eine festgelegte Hackordnung ermöglichen es nur den Stärksten, in diesem Arbeitsumfeld zu überleben.

Die Autorin beweist in jedem Fall ein Gespür für authentisch wirkende Milieustudien. Noch fehlt es ihr an literarischer Finesse bei der Umsetzung, ebenso an der Kunst der überzeugenden, stimmigen Charakterzeichnung.
Insgesamt hat sie etwas zu viel auf einmal gewollt, aber zeigt auch, dass in ihr durchaus Potenzial vorhanden ist.

Und was es mit den Affen auf sich hat ... das sollten neugierige Leser selbst herausfinden.

Hard Facts: 
Berlin Verlag Taschenbuch
ISBN: 9783833310171
560 Seiten

 
Frau Schafski

Das Wochenende kann kommen














Der Lesestoff ist vorbereitet und wartet nun auf seinen Einsatz. Mal sehen, welche interessanten Endeckungen die Bücher in dieser Ausgabe bereit hält. Ich werde euch die Tage verraten, welche darin vorgestellten Werke für mich am vielversprechendsten klingen.

Aber ich habe mir darüber hinaus noch ein Bisschen was vorgenommen. Meine erste Leserunde ist beendet und ich werde euch demnächst an meinen Erfahrungen und Eindrücken teilhaben lassen. Außerdem steht die nächste Rezension an, die ich hier natürlich nicht vorenthalten möchte.
Ein schönen Wochenende mit euren ganz peersönlichen Bookshelfheroes

Frau Schafski

Samstag, 14. Mai 2016

Krimizuwachs

Gerade einen kleinen Samstagsbüchereinkauf getätigt ... "Post Mortem - Tränen aus Blut"  von Mark Roderick ist unterwegs zu mir ^_^

Donnerstag, 12. Mai 2016

Bücherpost

Wie schön, mein Leseexemplar von "Maestra" ist angekommen. Danke Lovelybooks
und danke auch an den Piper Verlag. Schöne Coverfarbe, schöne Gestaltung. Die Haptik erinnert tatsächlich an eine zerissene Leinwand. Da freue ich mich schon auf die Lektüre.

Jedem Anfang liegt ein Zauber inne ...

Herzlich willkommen zu unzähligen Abenteuern zwischen zwei Buchdeckeln, zu Stoff, aus dem Träume gewebt werden.
Frau Schafski liest und lässt euch gerne daran teilhaben. Also schmökert, stöbert, kommentiert und schwelgt mit mir.