Montag, 27. Juni 2016

Mord, wo andere Urlaub machen

Zwei kaum miteinander bekannte Paar kommen auf die Idee, gemeinsam auf der Insel Amrum Urlaub zu machen. Als wäre das nicht schon genug Zündstoff für Konflikte, wird auf der verschlafenen Insel auch noch ein Mord verübt: Eine Frau wird bis zum Hals im Sand eingegraben und ertrinkt qualvoll in der aufkommenden Flut, ihr Mann muss, an einen Holzpflock gefesselt, alles mitansehen.

Arno Strobel gilt als einer von Deutschlands ganz großen Thriller-Autoren und man muss ihm zugestehen, dass er in der Lage ist, sich furchtbar kranke Psychopathen mit furchtbar weit hergeholten Motiven auszumalen. Leider reicht das allein nicht, einen guten Thriller zu schreiben. Es reicht auch nicht, dass potenziell alle Figuren irgendwie verdächtig sind: der Nachbar, der Hauptkommissar, der privat ermittelnde Bulle, der Psychiater und sowieso alle Inselbewohner und jedes einzelne Sandkorn. So wird der Leser der Verdächtigungen schnell müde, es sind einfach zu viele.
Der ermittelnde Kommissar und sein Partner teilen sich ganz klassisch in Good und Bad Cop auf. Nur dass der Bad Cop so bad ist, dass es völlig überzogen wirkt. Natürlich ist das nicht seine Schuld, sondern die eines ganz furchtbaren Schicksalsschlags, der ihn zum „Pitbull“ gemacht hat.
Und dann die beiden Paare, sie zicken sich ständig an. Sie mag ihn nicht, er mag ihn nicht, sie mag sie nicht, beide mögen beide nicht. Noch ehe man sich versieht, braucht mal der eine, mal die andere frische Luft und stürmt wie in einer schlechten Soap aus dem Haus. Die potenziellen zukünftigen Opfer verhalten sich darüber hinaus völlig unvernünftig: Sprechen an abgelegenen Orten mit Fremden, laufen in der Dunkelheit draußen herum, sind naiv und unvorsichtig. Phasenweise erinnert die Handlung dadurch an einen klassischen Teenie-Horrorfilm aus den 90ern, in denen das Opfer vor dem Täter immer die Treppe hinauf wegläuft, um kurz darauf in der Sackgasse des Flurs niedergemetzelt zu werden.
Am Ende hat der Leser gute 350 Seiten hinter sich, aber das Gefühl, dass kaum etwas geschehen ist.

Fazit:
Wenig Handlung, viel Gekeife und Figuren zum Weglaufen. Immerhin scheint der Autor sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, was in manchen Dialogen seiner Figuren mit einem Augenzwinkern durchblitzt.

Hard Facts:
Arno Strobel
Die Flut
Fischer Taschenbuch 2016 
ISBN: 9783596198351
368 Seiten  


Frau Schafski

Mittwoch, 22. Juni 2016

Lesesommer 2016

http://www.lovelybooks.de/autor/LovelyBooks/Lesesommer-1111924349-w/leserunde/1241557981/
Was wäre ein Sommer ohne lesen? Egal ob am Strand, am See, auf dem Balkon oder der grünen Wiese, für eine echte Bibliophile wie mich gehören Bücher einfach dazu. Im Rahmen des Lovelybooks Lesesommers sollten wir eine Liste der Bücher zusammenstellen, die wir im Sommer zu lesen planen. Das war gar nicht so einfach, denn ich kann mich nicht erinnern, je eine Leseliste erstellt zu haben (außer für meine Germanistik-Abschlussprüfung, und das war definitiv weit weniger lustig). Hinzu kommt, dass ich mich nicht so gerne auf eine Buchreihenfolge festlege und mich spontan von meinen Leselaunen teiben lasse.
Nichtsdestotrotz habe ich mich an eine, wenn auch kurze Liste gewagt:
  1. Die Frauen vom Meer, Deniz Selek (gelesen)
  2. Der Nordseespuk, Tilman Spreckelsen (gelesen)
  3. Die Flut, Arno Strobel (gelesen)
  4. Post Mortem I, Mark Roderick (gelesen)
  5. Dark Memories, Wendy Walker (gelesen)
Man soll seine Ziele ja nicht allzu hoch stecken, daher werde ich die Liste einfach erweitern, wenn ich mit diesen fünf Büchern durch bin. 
Ich nehme übrigens gerne noch Empfehlungen ins Sommerbücherregal auf!

Frau Schafski

P. S. Beim Lesesommer von Lovelybooks gibt es für die fleißigste Leseratte übrigens eine literarische Reise nach Verona zu gewinnen ... Ich bin da aber raus, sonst artet es auf Dauer in Lesestress aus. Und wenn es eines gibt, das ich in den Sommermonaten nicht brauche, dann ist es Stress ^_~

Samstag, 18. Juni 2016

Drei Frauen, zwei Kulturen, ein Meer

„Die Frauen vom Meer“ nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Zeit. Drei Generationen von Frauen, die zwischen zwei Kulturen, Deutschland und der Türkei, aufwachsen. Mit ganz viel Feingefühl spürt die Autorin Deniz Selek der Geschichte ihrer Ahnen und auch ihrer eigenen nach, verwebt dabei auf beeindruckende Weise die Fäden ihrer Leben miteinander. Dies gelingt ihr so gut, dass der Leser emotional miterlebt, was es heißt, zwischen zwei Kulturen zu unterschiedlichen Zeiten aufzuwachen. So durchleidet er Freud und Leid, Glücksmomente und tiefe Trauer mit den Frauen, auf ihrer Suche nach Identität, Selbstbestimmung und Heimat. Dabei bleibt die Erzählperspektive zu jeder Zeit völlig neutral, nimmt keine Seite ein oder fällt ein Urteil – das bleibt allein dem Leser überlassen. Der beeindruckende Schreibstil der Autorin vermag es auch, Orte so detailreich und in schillernden Farben zu malen, dass der Leser förmlich neben den Figuren steht und alle Erlebnisse mit ihnen teilt.

Und dann ist da noch das Meer, das große übergreifende Thema. Es ist der Kern, der allen Frauen gleich ist: Die Suche nach Identität, nach Freiheit und Selbstbestimmung. Letztlich schlägt es die Brücke zwischen Kultur, Raum und Zeit: „Das Meer hatte sie gerufen, das Meer hatte sie zusammengeführt, und das Meer hatte ihnen gezeigt, dass es die ewige Verbindung zwischen ihnen sein würde.“ (Seite 353) Und so bleibt der Leser am Ende dieses Buches mit einem tiefen Gefühl der Zufriedenheit zurück, mit einer Fülle von anregenden Bildern und Gedanken, die noch lange in ihm nachklingen werden.

Ein Roman ganz so, wie das Leben ihn schreibt, und ein absolutes Lesehighlight!

Hard Facts
ISBN: 9783426304556
400 Seiten

Frau Schafski

Montag, 13. Juni 2016

Nordseespuk ohne Gruselfaktor

Hach schade, so richtig war das nicht meins, dabei erschien der Klappentext so vielversprechend ...

Ein Krimi im 19. Jahrhundert, in dem der berühmte Schriftsteller Theodor Storm ermittelt, da werden die Erwartungen des Lesers direkt hoch gesteckt.

Und so begibt er sich ohne Umwege nach Husum. Die Handlung startet unvermittelt, keine große Einführung oder Erklärung. Stattdessen erscheinen sofort diverse Figuren, Orte und historische Begebenheiten, was aufgrund der großen Fülle erst einmal etwas beschwerlich ist. Auch wenn die historisch präzise getätigten Beschreibungen der Örtlichkeiten durchweg düster, grau und verregnet sind, gelingt es dem Autor nicht, eine einem Krimi würdige Atmosphäre zu schaffen.
Das Ermittlerteam, bestehend aus Storm, seinem Schreiber Söt und seiner Cousine Constanze, bleibt über den gesamten Roman hinweg sehr farblos. Auch arbeiten sie nur bedingt aktiv an der Lösung des Falls, sondern profitieren eher von einer Aneinanderreihung von Zufällen, die letztlich den Weg zur Enträtselung weisen. Um den Leser damit nicht zu überfordern, bekommt er in regelmäßigen Häppchen nicht nur die richtigen Fragen von den Figuren vorgegeben, sondern zusätzlich kurze, prägnante Zusammenfassungen der bisherigen Erkenntnisse. Auf diese Weise sieht sich der Leser lediglich noch in der Position des Beobachters, wird aber nicht aktiv in die Handlung einbezogen, was letztlich auf Kosten der Spannung geht.
Gewürzt wird die Handlung mit allerlei historischen Anekdoten, die aber meist völlig losgelöst von der eigentlichen Handlung sind. Noch dazu ist Weihnachten, und an Weihnachten jagt man keine Verbrecher - es sei denn, eine Mini-Katastrophe droht. Leider fehlen dem Roman darüber hinaus neue Ideen oder eine unvorhersehbare Wendung, sodass er, einmal zuendegelesen, schnell wieder in Vergessenheit gerät.
Immerhin muss dem Autor zugute gehalten werden, dass seine intensive Recherche des historischen Hintergrunds absolut überzeugen kann. Insofern werden sich Fans von Historienromanen daran vielleicht erfreuen, für Krimifans fehlt dem "Nordseespuk" letztlich der Grusel- und Spannungsfaktor.

Hard Facts:
Tilman Spreckelsen
Der Nordseespuk
Fischer Taschenbuch Verlag
ISBN: 9783596034413
256 Seiten

Frau Schafski

Donnerstag, 9. Juni 2016

Vielversprechende Neuerscheinungen

Wie angekündigt, habe ich in der aktuellen Ausgabe des Büchermagazins gestöbert, um euch daraus ein paar interessante Neuerscheinungen herauszupicken. Ihr mögt mir verzeihen, dass sie meinem ganz individuellen Gusto entsprechen, aber vielleicht findet ihr das ein oder andere Buch ja ebenfalls interessant.

Worum geht's? 
Ein hochbrisantes und aktuelles Thema: Jaqueline ist aus Afrika geflohen und hält sich nun an einem Strand in Griechenland auf. Unfähig, über ihre Flucht und ihre Vergangenheit zu sprechen, versucht sie, unsichbar zu bleiben und gleichzeitig zu überleben.

Worum geht's?
Am 3.5.1977 erscheint Lydia nicht zum Frühstück, kurz darauf wird ihre Leiche gefunden. Eine ganze Familie wird in Trauer gestürzt und alle scheinen einen Beitrag an Lydias Tod zu haben. Durch die Sicht der einzelnen Familienmitglieder wird der Leser langsam an die Umstände ihres Todes herangeführt.

Worum geht's?
Ein tödliches Virus, das sich in London verbreitet, ist Ausgangspunkt für diese Dystopie. Stevie Flint ist jedoch überzeugt, dass ihr Freund nicht dem Virus, sondern einem Mord zum Opfer gefallen ist, und begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit. Achtung: Das Buch ist der Auftakt einer vielversprechend klingenden Trilogie. 

Worum geht's?
Eine blinde Polizistin, die sich ganz auf ihre anderen Sinne verlassen muss. Das Besondere: Der Autor schaltet immer dann, wenn er aus der Sicht der Blinden erzählt, auch sämtlichen visuellen Eindrücke für den Leser aus.  

Neugierig geworden? Auf meine Wunschliste haben es diese vier Bücher auf jeden Fall schon einmal geschafft.

Frau Schafski

Mittwoch, 8. Juni 2016

Bücherpost

Die neue Bücherpost verspricht, gruselig zu werden. Der Autor Tilman Spreckelsen nimmt seine Leser mit auf eine Reise nach Husum im neunzehnten Jahrhundert. Niemand anderes als Theodor Storm, der dort als junger Anwalt arbeitet, begibt sich an die Aufklärung eines Mordes. Da erhoffe ich mir doch einen spannenden Krimi zwischen ländlichem Aberglaube und Realität. Der Autor arbeitet für die Frankfurter Allgemeine, "Der Nordseespuk" ist der zweite Band seiner Theodor-Storm-Krimi-Reihe. Vielen Dank an den Fischer Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.



Frau Schafski